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Das erste Jahrzehnt des Seminarlebens 1973-1983




Am 16. Januar 1972 erschien im Nachrichtenblatt der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft der Abdruck eines an Herbert Witzenmann gerichteten Schreibens, in welchem die übrigen Vorstandsmitglieder ihre Auffassung zum Ausdruck brachten, dass

sie H. Witzenmanns "gesamten Funktionen in Vorstand und Hochschulleitung nunmehr als ruhend betrachteten." Damit sei "zum Ausdruck gebracht, dass die Sektion für das Geistesstreben der Jugend (Anm. die H.Witzenmann seit Beginn seiner Tätigkeit im Vorstand im Jahre 1963 leitete) in den Händen des Vorstandes am Goetheanum liegt, der

sich gemeinsam dieser Aufgabe annimmt." - Die Gründe, welche für diesen Versuch einer massiven Einschränkung der von H. Witzenmann im Rahmen der Freien Hochschule wahrgenommenen Tätigkeit vorgebracht wurden, waren und sind unhaltbar. Letzlich wurzelten sie alle in der Auffassung, dass der Schaden, welcher, der Freien Hochschule aus der Ausübung von Zwang in ihren Grundlagen erwächst, geringer sei als die als Schädigung

aufgefasste Beeinträchtigung der Beurteilungs- und Handlungssicherheit der

Gesellschaftsmitglieder. Die damit verbundenen Befürchtungen entstanden aufgrund unterschiedlicher Auffassungen der Vorstandsmitglieder in einer für die Führung der Hochschule und das Gesellschaftsleben, auch losgelöst vom historischen Anlass, zentralen Frage und angesichts der Vertretung dieser Auffassungen innerhalb der Gesellschaft. Womöglich wurde jedoch die Schwächung der geistigen Substanz der Allgemeinen Anthroposophi-schen Gesellschaft, die u.a. dann eintritt, wenn Repräsentanten der Freien

Hochschule im Interesse einer vermeintlich allein wünschenswerten Ueber-einstimmung der Vorstellungen zu einem zustimmendem Verhalten gegenüber des ihnen unrichtig Erscheinenden angehalten werden, zuwenig erkannt. Sonst könnte nicht gesagt werden:

"Nun haben wir im Vorstand vertreten, dass jeder seine Meinung haben könne. Wenn sie aber kontrovers zur Mehrheit des Vorstandes ist und zu einem oppositionellen Verhalten führt, dann ist es die Pflicht des Betreffenden, aus diesem Vorstand auszutreten." (Der damalige Vorstandsvorsitzende an der Generalversammlung 1979, It.Nachrichtenblatt).

Das als "oppositionell" charakterisierte Verhalten H. Witzenmanns betraf die Abweisung der Zumutung, Verantwortung für Auswirkungen von Entschlüssen, die er ausdrücklich abgelehnt und deren Ablehnung er des öfteren begründet wurde, mitübernehmen zu müssen.

Auf die angesprochenen Fragestellungen, die sich damals den Mitgliedern und dem Vorstand stellten, einzugehen, ist hier nur insofern, als die damit zusammenhängenden Handlungen, wie sie z.B. die erwähnte Mitteilung im "Nachrichtenblatt" festhält, die Begründung des Seminars, über das einiges auch für den neu an dieses Herantretenden gesagt werden soll, mittelbar veranlasst hatten. Denn mit dem Bestreiten des angestammten

Wirkensfeldes stellte sich H. Witzenmann und seinen Mitarbeitern die Frage, wie der in neun Jahren von 1963 - 1972 entwickelten Arbeit ein neuer Rahmen geschaffen werden könne.

Dabei bildete sich zunächst ein "Initiativkreis für freie Jugendarbeit", welcher die weitere Durchführung der früher im Goetheanum-Bau veranstalteten Sommertagungen gewährleistete. Im August 1972 fand die erste Tagung ausserhalb des ehemaligen Wirkenszusammerhanges (jedoch ihm geistig verbunden) in Gsteig (bei Gstaad) in den Berner Alpen statt. Ihr sollten noch vier weitere am selben Ort folgen, der mit seiner einprägsamen landschaftlichen Atmosphäre einen vorzüglichen Rahmen für das Tagungs-geschehen bildete. Die Tagung 1972 hatte den, in Anwendung der von Rudolf Steiner in seiner "Philosophie der Freiheit" entdeckten und erstmalig angewandten Methode der seelischen Beobachtung richtungsweisenden Titel Wissenschaftliches Erkennen und künstlerisches Schaffen und war gleichermassen der Philosophie der Freiheit selbst wie der Eurythmie, dieser anderen grossen Schöpfung Rudolf Steiners gewidmet.

Die methodische Erschliessung der seelischen Beobachtung, deren Hauptgegenstand das innerhalb der Erkenntnisprozesse sich bildende geistgemässe Wirklichkeitbewusstsein und das aus ihm hervorgehende geistige Selbstbewusstsein des Erkennenden darstellt, wurde von allem Anfang an von H.Witzenmann der Jugendarbeit zugrunde gelegt. - Der

Geistesgeschichte unseres Jahrhunderts ist abzulesen, was wirklich zeitgemässe Fragen der Erkenntnis- und Initiativbildung sind. Sie weist eindrücklich den immer noch zunehmenden Zerfall aller früher unterbewusst genährter Vertrauens- und Schaffenskräfte auf. Deshalb kommt einer voraus-setzungslosen Begründung der geistigen Erkenntnis füralle Gebiete des praktisch-sozialen Lebens eine ebenfalls zunehmend sich aktualisierende

Bedeutung zu. Dass H.Witzenmann selbst der bedeutendste Erforscher der Bildekräfte ist, welche die von Rudolf Steiner inaugurierte Methode begrün-den, bezeugen seine in den letzten Jahren vorwiegend im Dornacher Gideon-Spicker-Verlag erschienenen Werke. Die Beobachtung für die Durchdringung der leibvermittelten Wahrnehmungen mit den geistigen Gestaltungskräften, den Begriffen, zu schärfen, kommt nicht theoretisch-ideelle, sondern vorwiegend schulungsmässig-praktische Bedeutung zu. Denn soll ein denktätig erkraftetes Erkennen seinen eigenen Ursprungsquell erforschen wollen, ist dazu das ungereinigte, d.h, nicht dem geistigen Willen entstammende Vorstellen zum Schweigen bringen. Rudolf Steiner weist in seiner Schrift "Von Seelenrätseln" auf die Voraussetzung

hin, die dabei in Betracht kommt: "Die Seele muss, um sie (Anm. die "imaginativen" Vorstellungen der Anthroposophie) zustande zu bringen, so genau den inneren Vorgang der Vereinigung von Vorstellungsleben und Sinnes-Eindruck kennen, dass sie das Einfliessen der Sinneseindrücke, bzw. ihrer Nacherlebnisse, in das Vorstellungsleben ganz fern halten kann."

Den erwähnten Vereinigungsvorgang vom instinktiv Vollzogenen zum frei Kontrollierten umzugestalten, macht den Schulungswert der Anwendungs-übungen seelischer Beobachtungen aus.


Die auf 1972 folgenden vier Sommertagungen, welche in Gsteig durchgeführt werden konnten, - sie erstreckten sich jeweils über eine Woche - waren den folgenden Themen gewidmet:

1973: Der Mensch als irdisches und kosmisches Wesen - die Entstehung von Wissenschaft, Kunst und sozialem Leben.

1974: Die Kunst als Heilerin von Wissenschaft und sozialem Leben

1975: Der Mensch als Bote seines Schicksals - Vererbung, Selbstverwirk-lichung und Wiederverkörperung im Lichte der Anthroposophie.

1976: Fähigkeitsbildung und Gemeinschaftsgestaltung - Urbild des Menschen und Ziel des Weltenwerdens im künstlerischen Schaffen und im sozialen Leben.

Ausser dramatischer Darstellungsversuche anhand von Szenen aus den Mysteriendramen Rudolf Steiners gelangten in Gsteig die Dramen Der Sturz des Antichrist (1973) und Adonis-Spiel (1974) von Albert Steffen zur Aufführung. Vorträge wurden in Gsteig von D.Baker, W.Boger, U.Herrmannstorfer, Dr.M.Rist, Dr.Schenkel, Dr.G.Schmidt, Dr.L.Vogel,

Dr.Vogtmann und H. Witzenmann gehalten, die künstlerischen Kurse wurden von M.Aichorn, M.Eckinger, M.Knapp, I.Ladegard, K.H.Lieberknecht, E.Reinl und S.Walsh geleitet.


Die Gründung des Seminars für freie Jugendarbeit auf der Grundlage der

Geisteswissenschaft Rudolf Steiners, das ab 1974 die Trägerschaft dieser Tagungen übernehmen sollte, erfolgte am 3. Juni 1973. Ihr ging ein Kurs über Sprachgestaltung und dramatische Kunst voran und ihr folgt ein weiterer über Wege und Abwege der Meditation, beide vom Leiter des Seminars, H. Witzenmann, gehalten, nach.

Die Seminarräume, zunächst im Hause Rotmann am Dornachweg, Arlesheim, ermöglichten die früher im Goetheanumbau durchgeführten Studienarbeiten wiederum aufzugreifen und durch Wochendseminare zu bereichern. - Dabei unterstützte die von Frau B.Lipin im Jahre 1969 begründete Alanus-Stiftung - sie hat den Zweck, die freie Jugendarbeit, so wie sie ihre Zielsetzungen von Rudolf Steiner erhalten hat, zu fördern - das neubegründete Seminar von allem Anfang an. Diejenigen, welche beim weiteren Aufbau des Seminars mitzuwirken sich entschlossen, achteten darauf, das sich entwickelnde gemeinsame Bewusstsein im Hinblick auf die Aufgabenstellung des Seminars durch hingabebereite Initiativen zunehmend zu bereichern und es, falls dies überhaupt nötig sein sollte, von vor seinen Grundlagen fremden Bildungstendenzen zu bewahren. So entwickelte sich das Leben innerhalb des Seminars Jahr für Jahr, oft nur von wenigen

getragen, doch einigen Entscheidendes vermittelnd.

Nach Ablauf des ersten Jahrsiebt verstarb B.Lipin, die wohlwollende Förderin. Bereits zu Lebzeiten hatte sie ihr Wohnhaus der Alanus-Stiftung übertragen lassen. Dadurch konnte das Seminar im Sommer 1981 in, seinen Aufgaben besser angepasste, Räume nach Dornach umziehen. Zuvor jedoch blieb es für einige Monate geschlossen. Bemühungen von

Mitarbeitern des Seminars waren erfolgt, diesem eine verstärkte Aktivität zu verleihen. Dabei entstand für den Seminarleiter die Aufgabe, dieselbe in eine, für ein verstärktes Wirken in der Oeffentlichkeit notwendige, Uebereinstimmung mit den Aufgaben und Zielen des Seminars zu bringen. Da dies nicht gelang, sah er sich veranlasst, die Arbeit im Seminar vorübergehend ruhen zu lassen. Nach der Umgestaltung damit in Zusammenhang stehender Modalitäten wurde die Arbeit Ende März 1981 mit dem Vortrag Idee und Wirklichkeit einer Freien Hochschule (erschienen in Korrespondenz Nr. 16/17) wiederum eröffnet.

Mit dem Umzug nach Dornach nahm auch Herr R.A.Savoldelli seine Arbeit innerhalb des Aufgabenbereiches im neueingerichteten Sekretariat am Rüttiweg 62 auf, dem durch Dienstleistung eine integrierende Bedeutung für eine ganze Anzahl verschiedener Arbeitszusammenhänge zukommen sollte. Kursangebot wie Teilnahme verstärkten sich. Neben den sich in Trimester gliedernden, wöchentlichen Studienkursen, die von E.Reinl,

R.A.Savoldelli und K.Mitzenheim geleitet wurden, fanden seit dem Umzug des Seminars nach Dornach folgende Wochenendkurse statt:


30.Nov. - 1.Dez. 1981 Sprachphilosophie Ludwig Wittgensteins (Prof.Dr.L. Udert)

21./22.Nov. 1981 Die Raumidee Rudolf Steiners - zum Grundriss des ersten Goetheanum

(P. Tabouret)

11./12.Dez. 1981 Zur Geistesgeschichte des Abendlandes - die Kategorien des Aristoteles - (B. Wulf)

23./24.Jan.1982 Physiologische Beiträge zu einer geisteswissenschaftlichen Menschenkunde (Dr.G. Schmidt)

20./21.Febr.1982 Kritik der Perspektive (H. Eckinger)

13./14.März 1982 Von Goethe und dem deutschen Idealismus Idealismus zu Rudolf Steiner (Dr.H. Ehret)

27./28.März 1982 R.W.Emerson - im Gedenken seines 100.Todestages am 27.April 82 (Dr.G. Schmidt)

23./24.April 1982 Ernährungswissenschaft und soziale Frage (Dr.G.Schmidt)

16./17.0kt.1982 Artgerechte Tierhaltung in natur- und geisteswissenschaftlicher Sicht (Dr.M. Rist)

20./21.Nov.1982 Wochenende für Ernährungsfragen (Dr.G. Schmidt)

27./28.Nov. 1982 Elemente des Seelenlebens - (R.A. Savoldelli)

16.Dez. 1982 Der Logos des Urbeginns und die Poesie - zur ontologischen Begründung der Dichtkunst (B. Wulf).


Anstelle der früher in Gsteig durchgeführten öffentlichen Sommertagungen traten seit 1977 drei in Arlesheim oder Dornach zu Pfingsten, im Juli und im Herbst unter der Leitung von H. Witzenmann durchgeführte Arbeitszusam-menkünfte. Sie standen jeweils unter einem übergreifenden Thema, wurden jedoch so gestaltet, dass die Teilnahme auch einzelner Tagungen möglich war. Sie galten folgenden Themen, bzw. folgenden seminaristisch bearbei-teten grundlegenden Texten Rudolf Steiners:

1977: Die Kunst als Muttersprache der Menscheit, gegliedert in die drei Teile: Erkenntnisästhetik - Sprachästhetik - Sozialästhetik. - Textgrundlage waren: Die Prinzipien der Allgem.Anthrop.Gesellschaft und die Briefe über Aesthetische Erziehung des Menschen von Friedrich Schiller.

1978: Rudolf Steiners "Philosophie der Freiheit als Grundlage künstlerischen Schaffens mit den drei Teilen: Die Philosophie der Freiheit als Gedanken-kunstwerk - die Philosophie der Freiheit als Grundlage der Aesthetik - die Philosophie der Freiheit als Schulungsweg des Künstlers. Die Tagungen beschäftigten sich damit, das Zusammenfliessen der beiden mächtigen geistigen Ströme, die wir als deutsche Klassik (Lessing, Herder, Goethe,

Schiller) und deutschen Idealismus (Fichte, Hegel, Schelling) ansprechen, in der Philosophie der Freiheit Rudolf Steiners zu verfolgen.

1979: Auch dieses Jahr stand ganz im Zeichen der Beschäftigung mit der Philosophie der Freiheit. Das auch in drei Tagungen erarbeitete Jahresthema hiess: Die Philosophie der Freiheit als Grundlage sozialästhetischer Gestaltung. Eine überarbeitete Nachschrift von Dr.E. Ott ist als Studienheft des Seminars darüber erschienen. (Dieses Meisterwerk eines geisteswissen-schaftlich orientierten Seminars steht heute als Schrift N°2 der „Blauen Reihe“ des SeminarVerlags zur Verfügung, Anm.2023)

1980: Intuition und Märchen - Wertschöpfung und Wertregulation. - Die Intuition als das zur vollen Bewusstheit fortentwickelte Märchen - der Gewinn neuer Triebfedern und Motive im Dienste einer vermenschlichten Welt und der Befreiung der menschlichen Fähigkeiten. Dies wurde als Jahresthema anhand Rudolf Steiners Prinzipie und seines

Nationalökonomischen Kurses bearbeitet.

Im Gedenken des Michaelfestes fand in diesem Jahr zusätzlich (wie erstmalig bereits 1979) die Veranstaltung Schwert und Waage - Durchlichtung und Entschwerung, Bildekräfte machtfreier Sozialgestaltung statt. Sie schloss die dramatische Aufführung der Tragödie Hieram und Salomo von Albert Steffen ein.

1981: Vom Wesen der Biographie - die Schätze aus der Vergangenheit und die Offenbarung des Ewigen. Textgrundlage war das Kapitel Wiederverkörperung des Geistes und Schicksal aus Rudolf Steiners Theosophie.

Die Michaeli-Veranstaltung stand unter der Idee Der Tempelbau der Erkenntnis und verfolgte die Bildestrukturen innerhalb der Metamorphose von Jahresgang, Festesbegängnis, Auge und Haus. (Der Inhalt wurde von H. Witzenmann im gleichnamigen Aufsatz, abgedruckt in "Korrespondenz Nr.18/19" festgehalten.)

1982: Rudolf Steiners Idee der Freien Hochschule als Zivilisationsprinzip (Leitung: H.Witzenmann). Die Julitagung wurde durch die Zusammenkunft am 3.April zu Sozialorganische Rechtsbildung und Freies Hochschulwesen vorbereitet. Dazwischen lag die Pfingsttagung, die unter dem Thema Die Entwicklung des Schauplatzes stand und zu der als Textgrundlage Rudolf Steiners Autoreferate über den Kurs über Sprachgestaltung und dramatische Kunst dienten. Während der Tagung kam Pandora von J.W. Goethe zur Darstellung. Neben einem Vortrag von K.Hartmann über Novalis gaben E.Reinl, R.Savoldelli und P. Tabouret Einführungen in die Arbeit am

zugrundeliegenden Text.

1983: Das diesjährige Thema ist bekanntlich im Hinblick auf die Mysterien-dramen Rudolf Steiners gewählt worden. Der zurückliegende erste Teil zu Pfingsten hatte als Textgrundlage des Tagungsseminars das Vor- und Zwischenspiel des ersten Dramas, sowie die zwei sogenannten "Staffelei-Szenen" aus dem ersten und dem zweiten Drama. Er stand

unter dem Titel: Die Reinkarnationsidee als Meditationsmotiv des Künstlers.

Derjenige des bevorstehenden zweiten Teiles lautet: Die Gemeinschaftsbildung als Gesamtkunstwerk und wird sich vorwiegend mit den Szenen "Studierzimmer des Capesius'" (I.Bild) und "Eine Landschaft" (10. Bild des zweiten Dramas Die Prüfung der Seele) beschäftigen.


Alle die aufgeführten Haupttagungen der letzten Arbeitsjahre fanden meist im grossen Saal der Stiftung "Obesunne" in Arlesheim durchgeführt werden. Oft wurde er mit malerischen Bildwerken, den festlichen Glanz der Zusammenkünfte steigernd, ausgestattet. So sah man Bilder von B.Assenza wie auch seiner Schüler H.J.Aenis, L.Legind, P.Pollock, Edmondo Savoldelli, Ellen Savoldelli, H.Messerli und U.Muchenberger. Im weiteren wurden die Tagungen durch künstlerische Darbietungen oder Kurse von C.Bergsma, Chr.Knapp, M.Knapp, W.Koepke, R.M.Mehlin, U.Muchenberger, B.Rehn, E.Reinl und S.Walsh sowie durch zahlreiche pianistische Beiträge von Frau L.Reinl unterstützt.

Die Blätter Korrespondenz entwickelten sich nach ihrer Entstehung im Jahre 1970 zunächst als Rundbrief der "Sektion für das Geistesstreben der Jugend der Freien Hochschule am Goetheanum". Sie waren und sind auch heute als Forum für vorwiegend jüngere Menschen gedacht, die Suche und Darstellung eines gesicherten Weges interessiert, welcher durch Erringung geistiger Erkenntnisse eine Grundlage abgeben kann, sich tatkräftig in das soziale Gesamtleben hineinzufinden. - Wir wollen die Zeitschrift in Zukunft noch verstärkt als Publikationsorgan des Seminars führen, auf dessen zehnjähriges Bestehen wir mit diesen Zeilen zurückgeblickt haben. Die Redaktoren sind Mitarbeiter des Seminars. Sie stimmen in ihren Anschauungen mit derjenigen überein, die der folgende Auszug einer programmatischen Darstellung von Herbert Witzenmann (Oktober 1982) zum Ausdruck bringt:

» Die Aufgabe des 'Seminar für Freie Jugendarbeit, Kunst und Sozialorganik' liegt im Bereich der Freien Hochschule für Geisteswissen-schaft am Goetheanum in Dornach (Schweiz). Das Seminar stellt sich in die Kontinuität der von Rudolf Steiner wissenschaftlich durch sein Werk, sozial durch die Weihnachtstagung der Jahreswende 1923/1924 veranlagten Aufgabenstellung. Ohne Anknüpfung an diese ist weder Hochschularbeit, noch Einführungsarbeit, noch sozialpädagogische Arbeit im modernen Sinne möglich.

Rudolf Steiner hat den von ihm ausgehenden Hochschulimpuls in zweifacher Weise charakterisiert. Einmal durch die nach naturwissen-schaftlicher Methode durchgeführte seelische Beobachtung des Erkennt-nisvorgangs und des in diesem erfolgenden gleichzeitigen Aufbaus der Wirklichkeit und des geistigen Teiles der menschlichen Wesenheit. Zum anderen durch die Begründung einer Erkenntnisgemeinschaft, in welcher Gleichstrebende die in wissenschaftlichem Meditationsbemühen stufenweise erlangte beobachtende Erkenntnisart und -aktivität ihrer inneren Bestimmung gemäss entfalten können. Diese ist die Bildung eines Freundeskreises

in gemeinsamem Bewusstsein verbundener freier Individualitäten, die es

sich zum Ziel setzen, durch gegenseitige selbstlose Förderung in ihrem Kreise eine kulturtherapeutische Wirkensstätte zu bilden.

Diese doppelte Veranlagung des neuen Höchschulimpulses ist Schutz und Warnung angesichts zweier selbstsüchtiger Neigungen. Die eine begehrt tradierbare, anstatt erworbener, durch eigenes vollwaches Ueberschauen als Besitz gewonnener Einsichten. - Die andere lässt sich von dem geschichtslosen Genuss subjektiver oder gruppengebundener Willens-begierden leiten, welche die geistige Einheit der Menschheit und die Verantwortung im Entgegennehmen der Seelennahrung vergisst. Ist man doch, auch im weitgehend unterbewussten Getragensein von eine geistigen Strömung, den schicksalshaft verflochtenen Taten und Leiden jener verpflich-tet, die sie bewegten und bewegen.

Das Seminar wird im Sinne dieser doppelten Veranlagung seines Impulses von dem doppelten Verantwortungsbewusstsein gegenüber der methodischen Strenge wie auch der geschichtlichen Treue getragen.«


In den letzten Jahren reiften auch ausserhalb Dornachs Entschlüsse, das seelische Leben in Anknüpfung an die Urkonzeption moderner Gemeinschaftsbildung, so wie sie Rudolf Steiner mit den an der Weihnachtstagung 1923/24 in Dornach versammelten Menschen

gefasst hatte, zu pflegen und dabei die Entwicklung der so entstehenden Gruppierungen in einem lebendigen Austausch mit dem "Dornacher Seminar" zu gestalten. Ein Ausdruck hiervon findet sich in der in diesem Heft enthaltenen Erwähnung eines Initiativkreises zur Bildung eines zeitgemässen Hochschulbewusstseins in Dortmund. - Dadurch erfährt

der geistige Freundeskreis eine Erweiterung, die wir lebhaft begrüssen. Gleichzeitig bilden sich neue Aufgaben, denen wir in Zukunft unsere Bemühungen widmen wollen.


Die Redaktion




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